Es geht weiter, auf zur 3. Etappe


Inzwischen war die Zeit weiter geflogen. Das Leben hatte uns fast zwei Jahre gezwungen ganz andere Wege zu gehen. 
Hinter uns lag eine Zeit des intensiven Begleiten.
Wenn es in dieser Zeit ganz schwer wurde, schloss ich meine Augen und lief in Gedanken ein kleines Stück des bereits gelaufenen Weges, der mich / uns irgendwann nach Santiago bringen sollte und noch immer soll. 
Ich lernte, ein Jacobspilger ist man nicht für 6 oder 8 Wochen, nein, man ist es für die gesamte Zeit der Wanderung, wie lange sie auch dauern mag.

Als nach gut 2 Jahren die Ärztin meinte, sie könne unsere Tochter ein Stück weit aus der Behandlung loslassen und für ALLE sei es an der Zeit wieder ein normales Leben zu beginnen, ergriffen der Mann an meiner Seite und ich die Gelegenheit wieder zu laufen. Wir wollten Abstand von all diesem Schrecken, der Angst und den Zweifeln nehmen. Wie ging das besser als wieder auf den Jacobsweg zurück zu kehren. 

Wir hatten die ersten Etappen von meiner Haustür in Venlo, NL bis nach Liege-Bressoux, B. gelaufen. Wir hatten Menschen kennengelernt, die uns freundlich zur Seite standen, die sich für uns und unser Vorhaben interessierten. Uns ihr Haus als Schlafplatz anboten und mit uns das Essen teilten. Wir hatten inzwischen auch eine recht lange Liste an Bestellungen für das Anstecken einer Kerze in der Basilika in Santiago de Compostela erstellt. 


Nun wollten wir unseren Weg am Bahnhof von Liege-Bressoux, B wieder aufnehmen und weiter fortsetzen. Wieder eine Etappe genießen. Denn von Beginn an war uns klar, dass wir diesen Weg in Etappen ablegen werden. Wobei wir an solch einen festen Lebens-Knoten der uns "hindern" würde niemals gedacht hatten. 

Die Stadt Lüttich stand auf unserem Programm. Sie intensiv zu durchstreifen, war schon damals vor 2 Jahren unser Wunsch gewesen. Sollte das einen, zwei oder gar drei Tage dauern, was machte es aus? Wir hatten diese Zeit und wollten uns die Stadt gönnen. 

So betrachteten wir es als Miniform der 3. Etappe, als ein gegönntes „Einlaufen“. Eine kleine "Zwischenreinigung", ein "Sortieren" und "zu uns kommen", denn keiner konnte vorhersagen, was noch auf unserem Weg liegen würde.



Der Weg ist das Ziel, in tausenden kleinen Schritten.  

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