Donnerstag, 27. April 2017

Das Plateau von Margraten


Da war ich also, mitten auf dem Plateau von Margraten, untergebracht im Anbau des backsteinernen Sockel der Van Tienhovenmole

Die Mühle stammt aus dem Jahr 1855 und wurde 1967 zum "Reichsmonument" erklärt. Sie ist die einzige Mühle in den Niederlanden, die aus Kalkstein (Mergel) gebaut wurde. Das Dach der Mühle besteht aus sogenanntem Dachleder, auch dies eine Besonderheit im Mühlenbau.

In dieser Gastwohnung würde für die nächsten 8 Tage mein Bett stehen. Von hier aus würde ich zu meinem ca. 800 Meter entfernten "Arbeitsplatz" jeden Morgen gemeinsam mit meinen Kolleginnen aufbrechen und am Abend zurückkehren.

 

Um mir ein genaues Bild des Platzes zu machen und meine bereits zu Hause im Atelier angedachte Installation "FrauenZimmer" Realität werden zu lassen, wollte ich in den nächsten Tagen die Umgebung auf Wanderungen untersuchen und dabei mit den Bewohnern des Plateaus, besonders mit den weiblichen, ins Gespräch kommen. Diese Gespräche, die Landschaft und das Zusammensein mit meinen Kolleginnen würden, genau wie mein Platz der Installation, das Werk zu dem machen, was ich dann zum Abschluss des Kunstsymposiums präsentieren wollte.
Eine Installation, eine Zeit-Skulptur.

Da die Van Tienhovenmole direkt am Jacobsweg liegt, folgte ich am ersten Tag einige Kilometer der ausgeschilderten Route hinunter in Richtung Maastricht. Die ersten Unterhaltungen ließen auf sich warten, denn es war kalt, es war windig und kein Mensch war auf dem Plateau zu entdecken.
Es war still, es war einsam. Der kleine Ort Bemelen lag wie ausgestorben da.

Dieser erste Eindruck wollte verarbeitet werden. In den nächsten Stunden baute ich das "Zimmer", meine Installation, in seinen Grundstrukturen auf. Und da ich mich auch nach menschlicher Gesellschaft sehnte, war ich sehr froh, dass wir uns Alle zu festen Zeiten immer wieder in unserem Mittelpunkt Wolfshuis zum gemeinsamen Essen trafen.

 

Der nächste Tag begrüßte uns mit einem bleigrauen Himmel. Ich beschloss, die andere Seite, hinüber bis Sibbe zu laufen.
Wieder Weite und Stille, bis auf den scharfen Wind, der mir um die Ohren pfiff. In Sibbe endlich erste Gespräche mit Gästen in einem kleinen Cafe. Ein zahnloser Mann erzählte mir vom letzten Winter, der einfach nicht weichen wollte. Aber, so meinte er, wenn ich wirklich etwas vom Plateau verstehen wollte, dann müsse ich weiter bis zum Cauberg, also weiter nach Valkenburg. Ich trank meinen Kaffee aus, bedankte mich und machte mich auf den Weg.

Der Cauberg, der legendäre Abschnitt des "Amstel Goud Race", das in genau 4 Tagen hier wieder stattfinden würde.
Ich kannte ihn, war schon so oft diesen Weg mit dem Auto gefahren, aber zu Fuß? Nun hatte es auch noch leicht zu nieseln begonnen. Ob ich wollte oder nicht, der Regen war stärker geworden, ich musste mich für einen Augenblick unterstellen.
Eine Bushaltestelle mit Wartehäuschen war meine kleine Rettungsinsel und eine Dame auf der kleinen Bank mein nächster Gesprächspartner. Sie machte mich auf einen wunderschönen Hohlweg zwischen Vilt und dem Wolfshuis aufmerksam. Mein Ziel für den nächsten Tag, denn nun sehnte ich mich nur noch nach einem warmen, trockenen Fleck. Und den wusste ich im Wolfshuis zu finden. Anschließend verarbeitete ich die neu gewonnenen Erkenntnisse weiter in meiner Installation.

Früh am nächsten Morgen lief ich im großen, einsamen Bogen in Richtung Vilt, auf der Suche nach dem Hohlweg.


Plötzlich lag er vor mir, eingegraben in den Mergel.


Durch einen bleiernen Himmel mit breiten Bahnen von Nebelschwaden zogen sich zarten Sonnenstrahlen.
Es entstand ein kathedraler Anblick durch die sich in den grauen Himmel reckenden Bäume. Wie Goldfäden rieselten Strahlen der Sonne durch die Äste der Bäume mit ihren ersten, zarten Blättern. Dazu, wie Orgelmusik, das laute Vogelgezwitscher um mich herum.


Und auf der Kuppe ein weiter Blick hinunter, über einen geschwungenen Weg, ins kleine Tal. Das Hügelland.

Meine Inspiration zur Installation "FrauenZimmer" war durch diesen Anblick und dem Kontakt zu meinen Kolleginnen vollendet. Es bedurfte nur noch letzter Feinheiten an meinem Aufbau der letzten Tage und die Installation war perfekt.
Meine Arbeit getan, die Foto- und Filmdokumentation konnte beginnen.

 

Zuerst aber zurück zum Ofen und das mindestens für die nächsten 5 Jahre. Mir war nur noch KALT!

Ach ja, die frischgebackenen "Frietjes met Zuurvlees", die uns liebevoll zubereitet angeboten wurden, versöhnten mich augenblicklich wieder mit der Kälte. 

Montag, 24. April 2017

Schinkenbraten mit Birnen-Gorgonzola-Möhrentöpfchen


In Erinnerung an unser köstliches Begrüßungsessen beim Kunstsymposium "oogsten" ging ich zu meinem Metzger und bat ihn, mir ein wunderschönes Stück Schinken mit Schwarte von ca. 500 g zu schneiden.
Es war eine Freude zu sehen, wie er gekonnt sein Messer durch den großen Schinken führte, um 504 g auf die Waage zu legen. Anschließend lief ich zum Käsehändler gleich nebenan. Ein Stückchen Gorgonzola wollte erstanden werden. Was mir nun noch fehlte, waren Möhren und Birnen. Also stattete ich meinem Gemüsebauern noch einen Besuch ab.
Voller Vorfreude lief ich  mit meiner "Beute" nach Hause.

Mein Plan: Ich wollte einen saftigen Schinkenbraten mit Birnen-Gorgonzola-Möhrentöpfchen zubereiten. Das Rezept ist für 2 Portionen berechnet, wobei der Schinkenbraten gut für 2 Mahlzeiten reicht.

Zutaten für den Schinkenbraten:
500 g Schinkenbraten mit Schwarte
1 Gemüsezwiebel
Olivenöl
Salz
weißer Pfeffer
Kreuzkümmel gemahlen
4 Nelken
kleiner Bund frischer Thymian
1/4 l Fleischfond


Backofen auf 185° C vorheizen.

Schinkenbraten waschen, trocken tupfen und die Schwarte kreuzweise einschneiden. Salz, Pfeffer, Kreuzkümmel in 1 EL Olivenöl mischen. Die Gewürze gut in die Fugen der Schwarte einreiben. Die Nelken verteilt in den (Unterseite) Schinken stecken.
Gemüsezwiebel putzen und sehr fein schneiden. Eine Ofenschale mit Deckel mit Öl ausstreichen und die Zwiebeln einstreuen. Thymian waschen, trocknen und bis auf einige Zweige auf die Zwiebeln legen. Hälfte des Fonds einfüllen und auf dieses Bett den Schinken legen.
In den Ofen für ca. 30 Minuten geben. Nach der Hälfte der Zeit die Flüssigkeit kontrollieren und wenn nötig auffüllen.


Zutaten für die Birnen-Gorgonzola-Möhrentöpfchen:
2 Birnen der Sorte Converence
150 g Gorgonzola
2 Möhren
2 cm frischer Ingwer
Olivenöl
Salz
Pfeffer
1 Zitrone unbehandelt
20 g Butter

 

Zitrone abwaschen, abtrocknen und die Schale abraspeln. Möhren schälen und fein raspeln. Ingwer schälen und zu den Möhren raspeln und mischen. Aus Zitronensaft, Salz, Pfeffer und etwas Olivenöl eine Marinade zubereiten und über die Möhren geben, mischen und ca. 10 Minuten marinieren lassen.
Birnen waschen, Kerngehäuse entfernen und in Spalten schneiden. Gorgonzola in Streifen schneiden.
2 Souffleschalen ausbuttern und in jede die Hälfte der angemachten Möhren füllen. Dann die Birnenspalten einlegen und darauf die Gorgonzolastreifen legen.

 

Backofen auf 170° C  herunter stellen.
Den Deckel der Ofenschale abnehmen und die Souffleförmchen daneben in den Ofen stellen.
Gemeinsam für weitere 20 Minuten backen.


Zutaten für die Dekoration:
Kleiner Bund frischer Schnittlauch
100 g Preiselbeer-Gelee

2 Teller mit den zurückgehaltenen Thymianzweigen und einigen Stängeln gewaschenem Schnittlauch dekorieren.
Schinkenbraten aus dem Ofen nehmen, 5 Minuten ruhen lassen, Nelken aus dem Schinken ziehen und danach den Schinken in Scheiben schneiden. Je eine Scheibe auf den Teller legen und mit etwas Gelee krönen.

 

Restliches Fleisch auf einer Platte anrichten. Zwiebelfond durch ein Sieb in eine Sauciere streichen. Zusammen mit der Fleischplatte und dem Preiselbeer-Gelee auf den Eßtisch stellen.
Souffleförmchen aus dem Ofen nehmen und mit einem Holzmesserchen den Inhalt von der Form lösen. Aus den Förmchen heben und auf den Tellern platzieren.


Ich weiß ja nicht, wie es Euch geht, aber ...


... wenn ich die Fotos so sehe, dann habe ich direkt wieder Appetit.
Gut, dass noch etwas Schinkenbraten übrig geblieben ist.

Kalt auf eine Scheibe frisch gebackenem Brot gelegt, mit etwas gemischten Salat oder einigen Stangen Spargel angerichtet - Also das wird direkt nochmal ein Festessen werden.
Oder anders gesagt, das werden dann wieder richtige LUXUS-Schnittchen werden.

Mittwoch, 19. April 2017

Kunstsymposium "oogsten"


Im letzten Jahr erhielt ich eine Einladung zu einem Kunstsymposium auf dem Plateau von Margraten in Süd-Limburg / NL.
Das einzige Hochplateau der Niederlande, immerhin 140 m über dem Meer, auf einem Sockel aus Kalkstein. Im Laufe der Jahrhunderte war dieser Fleck Erde immer wieder Schauplatz erbitterter kriegerischer Auseinandersetzungen und Schlachten.
Heute ist dieses Gebiet fruchtbares Ackerland, auf dem sich Getreidefelder mit Obstplantagen abwechseln.

Hier sollten 14 weibliche Künstler den gläsernem Himmel der Kunst befragen, um ihre gemeinsam erarbeiteten philosophischen Gedanken in Kunstwerken / Installationen, direkt vor Ort, Realität werden zu lassen. Begleitet werden sollte das Kunstprojekt durch eine Gruppe Studenten der Hochschule Maastricht, unter der Leitung von Frau Prof. Dr. Aagje Swinnen. Wobei das Forschungsfeld der Studenten die Rolle der Künstlerinnen im Minenfeld des Kunstbetriebs sein würde.
Zu Ostern würden dann die Früchte unserer Arbeit zu "ernten = oogsten" sein. Und die Besucher sollten sich damit konfrontieren.

 

Ein Gedanke, der mir außerordentlich gut gefiel und so reiste ich am 10. April in den Süden der Niederlande.
Ich reiste zum "Mittelpunkt" der nächsten 8 Tage, dem Wolfshuis, einem Gehöft mitten auf dem Plateau. Hier würde die Basis für das Kunstsymposium und Projekt sein. In den Gehöften rings um das "Wolfshuis" und in der das Plateau krönenden Mühle, würden unsere Werke Form annehmen.
Genau hier verläuft auch der aus Aachen kommende Jacobsweg, um in Maastricht auf die aus Milligen aan de Rhijn kommende Niederländische Teilstrecke zu stoßen und vereint an der Maas entlang, über Lüttich und Namur, nach Reims zu führen.
Ein weiterer, wichtiger Grund, um an dieser Stelle zu arbeiten, denn seit fast 10 Jahren laufe ich, gemeinsam mit dem Mann an meiner Seite, in Etappen den Jacobsweg.

 

Vorbei an blühenden Obstplantagen erklomm mein vollbeladenes Auto die Anhöhe und erreichte das mir noch von der Einführungsveranstaltung im letzten Jahr bekannte und vertraute Gehöft.


Plakate an den Straßenlaternen kündeten bereits seit einigen Kilometern von diesem Ereignis. Und auch hier, an den Türen des "Wolfshuis" ließ man keinen Zweifel am gesteckten Ziel der namentlich genannten Teilnehmerinnen aufkommen.


Hier, genau hier, würde für die nächsten Tage Kunst entstehen, Kunst von 14 Frauen.
Also Auto geparkt und eingetreten.

 

Ein Hauch von Frühling lag über dem Innenhof, die steinernen Liebesvögel auf dem großen Tisch erwarteten uns bereits und ...


... nachdem die Teilnehmerinnen ihre Schlaf- und Kunstplätze eingenommen hatten, erste Spuren ausgelegt waren, beglückte uns am großen Tisch ein sanfter Begrüßungsschluck, ein wundervoller Rose aus dem Süden der Provence, der unser erstes gemeinsames Abendessen einläutete.
Eine vorzügliche Hobbyköchin, eine echte "Masterchefin", begeisterte uns mit Bandnudeln an Schinken und Spargel in einer Käse-Cremesoße.
Köstlich, einfach nur unglaublich köstlich.

Ein fulminanter Auftakt der gemeinsamen Zeit, mit der Gemüsespezialität der Region.